Während der RAC-77-Sitzung empfahl der Ausschuss für Risikobeurteilung der ECHA neue Einstufungen für wichtige Stoffe. Diese Empfehlungen bestätigen die Ausrichtung der EU-Politik auf die Erweiterung des Umfangs der Gefahreneinstufungen und die Verschärfung der Regulierung für persistente, mobile Stoffe sowie Stoffe, die Risiken für die menschliche Gesundheit und die Umwelt darstellen, was von Unternehmen eine aktive Anpassung ihrer Strategien zur regulatorischen Compliance erfordern wird.
Während seiner Juni-Sitzung (1.–5. Juni 2026) verabschiedete der bei der ECHA tätige Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) eine Reihe wichtiger Stellungnahmen zur Einstufung und Beschränkung von Chemikalien, die in naher Zukunft zu konkreten regulatorischen Änderungen im Rahmen von CLP und REACH führen können.
Neue Einstufungsvorschläge
a) Eines der wichtigsten Themen war die Bewertung von Trifluoressigsäure (TFA) und ihren Salzen. Der RAC empfahl die Einstufung von TFA als reproduktionstoxischen Stoff (Repr. 1B) sowie als PMT- und vPvM-Stoff, was ihre Persistenz, Mobilität und ihr Potenzial zur langfristigen und diffusen Verunreinigung von Wasserressourcen bedeutet.
b) Parallel dazu schlug der Ausschuss erstmals die Einstufung von Resorcin als endokrinschädigenden Stoff für die menschliche Gesundheit (ED HH 1) vor. Dies stellt einen wichtigen Präzedenzfall dar und spiegelt die wachsende Bedeutung neuer Gefahrenklassen im CLP-System wider.
c) Der RAC verabschiedete außerdem Stellungnahmen zu Beschränkungen der Verwendung ausgewählter Stoffe, darunter Chrom(VI)-Verbindungen. Im Fall von Chrom(VI) kam der Ausschuss zu dem Schluss, dass eine Beschränkung auf EU-Ebene grundsätzlich ein geeignetes Risikomanagementinstrument ist, wies jedoch auf die Notwendigkeit einer weiteren Ausarbeitung der Bedingungen hin, um deren Wirksamkeit und Umsetzbarkeit sicherzustellen.
d) Parallel wurde eine Stellungnahme zur Beschränkung von Octocrylen verabschiedet, wobei auf dessen Persistenz und potenzielle Auswirkungen auf die Meeresumwelt hingewiesen wurde.
e) Ein wichtiger Bestandteil der Sitzung war außerdem der Beginn der Arbeiten zur Neubewertung von Glyphosat. Die Europäische Kommission ersuchte ECHA und EFSA um die Analyse neuer
Daten zu den potenziell krebserzeugenden Eigenschaften dieses Stoffes, die in der Studie des Ramazzini Institute (Global Glyphosate Study) vorgestellt wurden.
Der RAC begann die erste Diskussion über die Studienergebnisse, und die Ausarbeitung einer Stellungnahme ist bis zum 1. Januar 2027 vorgesehen.
Bedeutung für die Industrie
Die Entscheidungen und Empfehlungen von RAC-77 bestätigen die klare Richtung der europäischen Chemikalienpolitik: die Erweiterung des Einstufungsumfangs (u. a. um ED und PMT/vPvM), die Verschärfung des Ansatzes gegenüber persistenten und mobilen Stoffen sowie eine stärkere Fokussierung auf den Schutz der menschlichen Gesundheit und der aquatischen Umwelt.
Für Unternehmen bedeutet dies die Notwendigkeit, Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen und sich auf neue Einstufungen sowie potenzielle Beschränkungen vorzubereiten, die sowohl Produktportfolios als auch Strategien zur regulatorischen Compliance beeinflussen können.
Quelle: https://www.actu-environnement.com/media/pdf/depeches/1131.pdf
Ekotox-Webseite: https://ekotox.de/
